Über diesen Schreibtisch wird der Kaffee eingekauft, der in Millionen Haushalten auf den Tisch kommt. Gesteuert von einem Mann, der in einer Sekunde tonnenweise Rohkaffe ordert, um dann vielleicht wieder wochenlang auf den nächsten richtigen Moment zu warten. Andreas Christmann ist Chefeinkäufer bei Tchibo. Gleich wird er aufstehen und eine Schürze umbinden.
er sich mit Andreas Christmann unterhält, hört ein Wort besonders häufig: “Verantwortung”. Der Chefeinkäufer des Hamburger Großrösters Tchibo mag es, wenn im Herkunftsland des Kaffees, den er einkauft, das Geld auch bei den Schwächsten in der weltweiten Handelskette ankommt: bei den Kaffeefarmen und Pflückern. “Wir reisen viel in die Herkunftsländer, sprechen mit Zwischenhändlern, Kaffeebauern und kümmern uns beispielsweise darum, dass Pflücker Arbeitsverträge bekommen”, erklärt er dem Zuhörer leidenschaftlich. In Seminaren “vor Ort”, wie es Andreas Christmann nennt, kümmert sich Tchibo um das, was den Konzern groß gemacht hat, den Kaffee. “Wenn man guten Kaffee in die Tasse der Verbraucher bringen möchte, muss man bereits bei den Bauern mit der Qualitätskontrolle beginnen. Wir machen das, indem wir beispielsweise Seminare veranstalten, in denen die wichtigsten agrartechnischen Grundlagen vermittelt werden, um damit die Produktion von Qualitätskaffee zu unterstützen”, so Christmann.
Man glaubt ihm jedes Wort, so leidenschaftlich und engagiert, wie er diese Sätze sagt. Christmann, über den “Die Zeit” einmal schrieb: “Was für den Bauern die Harke, ist für Andreas Christmann der Computer: das Arbeitsgerät, mit dem er sein Geld verdient. Christmanns Arbeitsfelder sind die Kaffeebörsen in London und New York”, er sitzt mit Blick auf halb Hamburg in der Konzernzentrale von Tchibo. Wenn man nicht wüsste, dass es hier um Kaffee geht, könnte dies auch der Arbeitsplatz eines Bankers, Brokers oder einer dieser Arbeitsbienen der internationalen Finanzwirtschaft sein. Doch es geht um mehr. Das wird spätestens deutlich, wenn er von seinem Platz aufspringt. Und Christmann springt häufig auf. Dann eilt er in einen Nebenraum um dort – beschürzt wie ein Winzer in seinem Weinkeller – Kaffeeproben zu schlürfen. 
“Der Trend geht eindeutig zu Qualitätskaffee. Einkauf für Tchibo heißt nicht Preisoptimierung, sondern Qualitätsoptimierung”, sagt er und nimmt eine weitere Probe von einem Löffel. An diesem Vormittag sind es rund 25 Kaffeeproben, die auf einem runden Probiertisch angeordnet sind. Hinter jeder Tasse steht eine kleine Box mit den dazugehörigen Kaffeebohnen. Die Kaffees wurden gerade frisch zubereitet und mussten dann etwas abkühlen. “Idealerweise ist der Kaffee bei der Verkostung etwas wärmer als lauwarm, dadurch entfalten sich die Aromen besser und die Geschmacksstoffe lassen sich genauer definieren”, erklärt Christmann. Die Kaffees werden – ganz klassisch – in kleinen Karlsbader Kännchen zubereitet. In einem atemberaubenden Tempo umrundet Christmann den Tisch und macht beim Verkosten Geräusche, die an das Aufsaugen der letzten Tropen in einer Capri-Sonne-Tüte erinnern. Zufrieden mit dem Ergebnis eilt er wieder zurück in sein Büro.
Von dort steuern er und ein Mitarbeiter ein enormes Einkaufsvolumen. Für Rohkaffee wohlgemerkt. Dieser wird traditionell als Warentermingeschäft gehandelt. Das richtige Timing ist dabei ausschlaggebend. “Es kann schon vorkommen, dass wir auch mal einige Wochen nichts einkaufen, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen, um den Bedarf eines ganzen Monats zu decken”, erklärt Christmann. Erfahrung, Intuition und ein funktionierendes weltweites Netzwerk nennt er dabei als die wichtigsten Voraussetzungen. So ein Netzwerk baut man sich nicht hinter dem Schreibtisch auf. Deshalb ist Christmann auch viel in den Ursprungsländern unterwegs. “Wir unterstützen den Einkauf von Kaffee von Rainforest Alliance zertifizierten Farmen, einer Organisation, deren Ziel die nachhaltige Sicherung der Lebensräume von Menschen und Tieren ist.” Jetzt leuchten seine Augen wieder und er erzählt von der 4C-Initiative. Der volle Name lautet Common Code for the CoffeeCommunity (sinngemäß: gemeinsame Standards für die Kaffeewirtschaft). Die Vereinbarungen sollen eine nachhaltige Produktion gewährleisten. “Ein angemessenes Auskommen der Produzenten ist Grundbedingung dafür, dass sie auch zukünftig die hohen Qualitäten produzieren können, die wir für unser Sortiment benötigen”, begründet seine Kollegin Cornel Kuhrt das Engagement des Konzerns, den Kaffeeanbau nachhaltig zu gestalten. Als wir Andreas Christmann an diesem Tag verlassen, hat er schon wieder den Telefonhörer in der Hand und spricht mit einem Lieferanten über das Wetter in Brasilien. Sicher schlürft er auch gleich wieder eine Kaffeeprobe. 
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