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Kolumbiens Gold

Thomas Eckel, der Besitzer der Murnauer Kaffeerösterei, war bei der Kaffeeverkostung beim Cup of Excellence in Kolumbien dabei. Was alles geschah, bis der beste Kaffee des Jahres aus diesem Land gekürt wurde, erzählt er den crema-Lesern exklusiv.

„Drei Dinge gehören zu einem gu­­ten Kaffee: erstens Kaffee, zweitens Kaf­­fee und drittens noch mal Kaffee.“ – Die­­ser berühmte Ausspruch des fran­zö­si­­schen Autors Alexandre Dumas ist auch der Leitgedanke des Cup of Ex­cel­len­ce (CoE), des wohl wichtigsten Kaf­fee­gip­fels, der jährlich die Spit­zen­kaf­fees ei­nes Lan­des kürt. Dieses Mal blick­te die ­Fach­welt nach Kolumbien, wo vom 21. bis zum 25. März 2011 der CoE stattfand. Tho­mas Ec­kel, Kaf­fee­röster, Sommelier und Deut­schlands ein­ziger Q-Grader war eingeladen, um als in­ternationaler Ju­ror mit­zu­wir­­­ken.

Thomas Eckel: „Es war kalt, als ich abends in Bogota, der Hauptstadt Ko­lum­­biens, eintraf. Zu kalt, um auf 2640 Me­­ter über dem Meeresspiegel glauben zu können, dass dieses Land eine der gro­­ßen Kaffeenationen der Welt sein soll. Doch schon die Weiterreise am nächs­­­ten Tag nach Santa Marta, wo dieses Jahr der CoE stattfand, belehrte mich ei­­nes Besseren. Dieses kleine, beschauliche Städtchen liegt auf Meereshöhe und be­­reits am späten Vormittag war das Queck­­silber im Thermometer auf 31 °C ge­­stiegen. Innerhalb weniger Stunden wur­­de mir bewusst, dass dieses Land viel­­fältiger nicht sein kann, bezogen auf Hö­­henlage, Sonnenstunden und Nie­der­schlä­­ge. Dass dies natürlich auch Aus­wir­­kungen auf den Kaffee hat, versteht sich von selbst. So lässt sich Kolumbien grob in drei große Regionen unterteilen. Wäh­­rend die Kaffeeblüte im Norden im Ap­­ril beginnt, setzt die Blütezeit in der Mit­­t­e des Landes im März und im Au­gust ein. Im Süden Kolumbiens blühen die Kaffeesträucher im Oktober. Somit ist  Kolumbien eines der wenigen Län­der, dass zwei Haupternten im Jahr hat. Dieser CoE Ende März fand also sehr kurz nach dem vorhergehenden vom Ok­tober 2010 statt, denn der Kaffeegipfel schließt immer direkt an die Ernte an.

DAS KLIMA MACHT’S
Jedes Land hat individuelle klimatische Merk­­male und geografische Be­son­der­hei­­­­ten,  wie Sonnenstunden, Regen, ­Feuch­­­­­­tig­keit, Anbauhöhe und Bo­den­be­schaf­­­­fen­heit, die sich im Aroma des Kaf­fees ver­­deutlichen. In einem Land mit so gro­­ßen klimatischen Unterschieden wie Ko­­­­lum­­bien, gibt es daher sehr vielfältige Ge­­­­schmacksprofile. Genau das stellten wir Juroren schon am ersten Tag dieses be­­­­­rühmten Kaffeegipfels fest. Das Be­son­­­dere der Kaffees aus Kolumbien ist, dass sie einen angenehmen Säuregehalt ha­­­­ben. Kombiniert mit einer dezenten Sü­­­­ße sorgt dies für eine ausgewogene Ba­­­lance im Geschmackskörper mit fruch­­­­­tigen, schokoladigen oder auch ha­sel­­­­­nussigen Aro­men. Diese Ge­schmacksviel­­­falt  mach­­­te kolum­bia­ni­schen Kaf­fee be­reits zu einem ge­schütz­ten Be­griff in­ner­halb der EU. Der Auftakt der Verkostung beginnt im­mer mit einer Art Ritual, das  alte Ha­­­­­­sen und Neuankömmlinge zu­sam­men­­­­­­füh­ren soll: die „Calibration Exe­r­ci­ce“. Die­­­­­se Übung ist zum gegenseitigen Be­schnu­p­­­­­pern ge­dacht, in der gemeinsam ge­­­­schlürft, ge­ro­chen und die Viel­falt der Kaf­­­­­­fees er­schmeckt wird. Die Merk­­male und de­ren Aus­­­prägungen je­der einzelnen ver­kos­te­ten Sorte werden an­schlie­ßend in der Run­­de vorgestellt und diskutiert. Da die Ju­ry aus sehr er­fah­­renen Mit­­­­­gliedern be­­­ste­ht, mündete die „Ca­lib­ra­­­­­­tion Ex­er­ci­ce“ sehr schnell in ei­ne Fach­­­­­diskussion, in der wir einige Aus­­prä­­­­gungen im Ge­schmack eindeutig dem Anbau, der Auf­be­­­reitung und dem Rös­­­­­­ten zuschreiben konn­­ten.

GROSSES INTERESSE AM CUP OF EXCELLENCE
Es gilt ungebrochen der Grundsatz: Wer es als Kaffeebauer in den CoE schafft, er­fährt einen enormen Image-Auf­schwung. Des­­halb haben sich auch dieses Mal wieder sehr viele Kaffeebauern be­­­­­­­wor­­ben, um sich un­tereinander zu mes­­­­sen. Gan­ze 513 Mus­ter wur­den ein­gesandt und zu­­­nächst von ei­ner na­tio­na­len Jury ver­­kos­­­tet. 44 da­von er­reich­ten die Schwel­­­le von 84 Punk­ten von 100 und wur­­­den der in­­ter­na­tionalen Ju­­ry vor­­ge­stellt. Die Ju­­ry – bestehend aus 21 Kaf­­fee-Kennern aus 11 Na­­tio­nen – hat die eh­­­­ren­volle, aber an­­ge­sichts des enorm ho­­­­hen Qua­li­täts­le­vels ebenso schwie­­rige Auf­­­­­gabe, den Bes­­ten Kaffeebauern des Lan­­des zu kü­­­­ren.

NO GO IM CUPPING: „DIE STIN­KER­BOMBE“
Die Kaffees haben, bevor sie der in­ter­na­tio­­nalen Jury vorgestellt werden, be­reits me­h­rere Runden in der Vor­ent­schei­dung erfolgreich durchlaufen. Darum ist es besonders ärgerlich, wenn sich in ei­ne der 24 Tassen eine Bohne eingeschli­chen hat, die den Geschmack einer ganzen Tasse ruiniert. Für diesen Kaffee ist die Beteilgung am CoE beendet, er wird dis­­qualifiziert. Zum Glück kommt so et­was in so einem Wettbewerb nur selten vor, aber dieses Mal war eine „Stinker“- Boh­­ne dabei. Bis dahin lagen bereits zwei Tage mit je zwei Verkostungen hinter uns. Aus der ersten Runde hatten 29 von 44 Kaffees den Sprung in die nächste Runde geschafft. Es waren alles traum­haft gute Kaffees. Je weiter wir mit der Bestimmung vor­rück­­ten, desto häufiger mussten wir selbst Kaffees von wirklich hervorragender Qualität disqualifizieren. Aber es kann eben nur ein Kaffee der beste sein. Vor allem, wenn der Wettbewerb dann schon so weit fortgeschritten ist, ist es na­tü­rlich fatal, wenn sich eine soge­nann­te Stin­kerbohne einschleicht. Da kann der Ka­ffee vorher noch so gut ge­we­sen sein, so etwas wird beim CoE so­fort zu einem un­bedingten Aus­schei­dungs­kriterium. Da­ran erkennt man, wie viel Auf­merk­sam­keit und Mühe ein dauer­haft guter Kaf­fee braucht, von der Auf­zucht bis zur Ern­te und das bei jeder ein­zel­nen Bohne.

ZUM SCHLUSS DAS DESSERT
Nach drei Tagen Cupping war es dann am 25. März so weit: Die Top Ten warteten auf uns. Zwar waren unsere Urteile in den vorhergehenden Runden sämtlich mit Sorgfalt getroffen, doch diese letz­­te Run­de forderte die ganze Auf­merk­­samkeit von uns Juroren. Die zehn bes­ten Kaffees die­ses wunderbar viel­fäl­ti­­gen Kaf­fee­lan­des standen vor uns auf dem Tisch und wir mussten an ihrer he­raus­ragenden Qua­lität noch mal die Mes­s­­latte anlegen. Gleich­zeitig ist es für uns jedes Mal wieder wie das Naschen an einem au­ßer­gewöhn­lichen Dessert. Vor allem die Kaf­fees, die die Be­zeich­nung eines „Pre­si­den­tial Award Winner“ er­­halten hatten, wa­ren so hervorragend, dass wir sie an­hand ihrer Aromen, ihres Ge­­schmackes, an ihren ausgeprägten No­­ten von Frucht, Scho­­ko­lade und vor al­­lem wegen ihres lang an­hal­ten­den und äu­ßerst angenehmen Nach­ge­schmacks al­le Ver­kos­tungs­runden hindurch sofort wie­dererkannten.

DER GEWINNER DES  CoE KOLUMBIEN
Presidential Award Winner sind mit 94,05 von 100 Punkten geworden: der Kaf­fee der Plantage Primavera aus San Agus­tin, Huil­a, betrieben von Arnulfo Le­guizamo und mit 92,62 Punkten von 100 der Kaffee der Plantage Las Mer­ce­des aus Acevedo, Huila, betrieben von Ela­dio Ossa. Der Kaf­fee auf dem ersten Platz wurde zu $ 45.10/lb (ca. 70 Euro/kg) ersteigert.

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