Röster des Jahres 2014

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„Röster des Jahres“ 2014 ist die Speicherstadt Kaffeerösterei aus Hamburg. Wir gratulieren zum Titel und einer einzigartigen Erfolgsgesichte, die eine Generation vor den heutigen Machern in einem Büro bei Deutschlands größtem Kaffeeimporteur begann.

Fragt man die beiden Inhaber der Speicherstadt Kaffeerösterei Andreas Wessel-Ellermann und Thimo Drews nach ihren Anfängen im Kaffeegeschäft kommt die Sprache zunächst auf die Väter der beiden. Die saßen jahrelang gemeinsam in einem Büro am Sandtorkai 4, bei Deutschlands größtem Kaffeeimporteur. Eine generationenübergreifende Freundschaft entstand. Viele Kaffeeernten später aber nur einen Espresso entfernt sitzen wir jetzt mit den Söhnen in ihrem Büro im ersten Stock der Speicherstadt Kaffeerösterei und trinken „Orang-Utan-Kaffee“ aus Sumatra. Der wurde einen Stock tiefer geröstet und hat aufgrund des Nebels und der Feuchtigkeit der angrenzenden Regenwälder ein tiefes, köstliches Aroma mit feinen Noten von Süßholz und schützt- so ganz nebenbei -die Lebensgrundlage der Orang Utans. Doch dazu ein anderes Mal. Anlass für unseren Besuch ist die Ernennung zum „Röster des Jahres“ 2014.

Es ist einer der ersten Sommertage im Mai als wir vor der Speicherstadt Kaffeerösterei stehen. Die Häuserzeile aus Backstein kennt jeder Hamburg-Besucher von ihrer Rückseite, wo im Minutentakt Kutter Touristen durch die Kanäle des ehemaligen Lagerhauskomplexes schleusen. Doch auch vorne ist heute nicht weniger los. Menschentrauben sammeln sich vor dem Haus und eine lange Schlange an der Theke und Kasse in der Rösterei, die auch als Cafe dient, zeigt, das wir hier richtig sind. Natürlich zieht das unmittelbar benachbarte „Hamburg Dungeon“ (ein Geisterhaus, in dem die offensichtlich teilweise grausige Geschichte Hamburgs den Besuchern den Schrecken in die Glieder treibt) und das „Miniatur Wunderland“ (eine riesige Eisenbahnanlage, die die gar nicht so schreckliche Realität Hamburgs – nimmt man einmal die benachbarte Elbphilharmonie außen vor – auf niedliche Art darstellt). Zwei Touristenattraktionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber sie spülen Menschen vor das Backsteinhaus der Speicherstadt Kaffeerösterei. Und natürlich landen auf diese Art und Weise viele Menschen in dem Cafe. Die meisten von ihnen werden gleich zum ersten Mal in ihrem Leben guten Kaffee trinken. Und wer sich von Preisen um die 9 Euro in der kleinen French Press für Spezialitäten wie einen „Kopi Luwak“ oder „Jamaica Blue Mountain“ nicht abschrecken lässt, bekommt sogar sensationell guten Kaffee.

Trotzdem war es ein Bier, bei dem die beiden 2003 den Start für die Speicherstadt Kaffeerösterei planten. „Spezialitätenkaffee war schon damals unser gemeinsames Thema: Ich importierte in der Speicherstadt hochwertige Rohkaffees für die entstehende Spezialitätenrösterszene; Andreas mit seinem Ladengeschäft in der Innenstadt und seinem 3-Kg Röster aus dem Jahr 1926 war Anlaufstelle für die Kaffeegenießer und Kaffeewissenshungrigen Hamburgs. Nach dem Fall der Zollschranken 2003 fanden wir bei wohlgekühltem Pils, dass der historisch und thematisch passendste Ort für eine Spezialitätenrösterei ein altes Lagerhaus in der Speicherstadt sei und begannen zu planen.“ erinnert sich Thimo Drews.

Alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war

Die meisten Kopfschmerzen hat den beiden damals die Finanzierung gemacht. „Wir waren fast vollkommen auf Fremdmittel angewiesen und mussten alle Möglichkeiten nutzen, um unsere Idee und damit den teuren Ausbau einer historischen, denkmalgeschützten Lagerhalle in eine Kaffeerösterei umzusetzen. Mit der Hilfe von Freunden, Banken, einer Schwiegermutter, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, öffentlichen Mitteln, dem privatem Verkauf von allem was nicht niet- und nagelfest war und nochmal Freunden ist es schließlich gelungen.“ erzählt uns Andreas Wessel-Ellermann. Nach knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit öffnete die Speicherstadt Kaffeerösterei zu Ostern 2006 die Türen und war sofort ein voller Erfolg. „Wir hatten fast an alles gedacht, nur nicht an Personal und mussten eine ganze Weile alles selber machen. Unser einziger Röster war der 3 Kg–Röster; der große Probat L50 war zwar schon geliefert, aber noch nicht aufgebaut. Einer versuchte die immense Nachfrage unserer vielen Kunden zu decken und röstete von früh bis spät. Ein anderer versuchte mit einer 2-gruppigen Dalla Corte und einer K60ES die Gäste am Tresen zu versorgen. Wir kauften Rohkaffeenachschub, fuhren einkaufen, schrubbten den Gastraum etc… Wir arbeiteten durchgehend am Limit und erkannten schnell, dass wir umgehend gutes Personal suchen und schulen mussten.“ so Thimo Drews über die Start-Up-Phase.

Heute helfen den beiden etwa 50 Mitarbeiter aus 20 Nationen, den oft von weit angereisten Besuchern der Rösterei Kaffee als hochwertiges Genussmittel näher zu bringen und sie mit der Begeisterung für das Thema anzustecken. „Wir möchten eine Brücke schaffen zwischen den Kaffeebauern in den Ursprungsländern und den Kaffeegenießern in unserer Rösterei. Wir produzieren jedes Kg Kaffee selbst und das soll so bleiben. So vielfältig wie auch unser betriebliches Klima ist auch unser Kaffeesortiment geprägt. Wir möchten auch künftig besonders wertvolle, nachhaltige Kaffeeprojekte gemeinsam mit unseren Rösterkollegen vorantreiben und unsere Partner in den verschiedenen Ursprungsländern im Anbau hochwertiger Kaffees bestärken.“ erklären sie ihre Mission.

Nachhaltige Partnerschaften

Natürlich hilft dabei, dass Andreas und Thimo das Wissen über den Kaffeemarkt durch ihre Vorgeschichte in den Schoss gelegt wurde. Viele Besuche in den Anbauländern um die teils unmenschlichen Umstände und die oft unangemessenen Löhne für die beschwerliche Arbeit der Produzenten vor Ort zu erleben, haben dazu beigetragen, dass sie heute versuchen, durch Direktimporte neben einer Transparenz auch nachhaltige Geschäftsverbindungen aufzubauen. Dies gelingt jedoch nur, wenn alle Partner zufrieden sind; einen fairen Preis zu zahlen ist dabei eine wesentliche Grundbedingung. Mindestens ebenso wichtig ist für ihre Partner in den Anbauländern jedoch, dass sie sich darauf verlassen können, dass man ihren Kaffee auch in der nächsten Erntesaison abnimmt.

„Wir schauen immer zunächst auf die Qualität eines Kaffees, bevor uns der Preis interessiert. Dabei achten wir sehr darauf, dass unsere Kunden die Auslobungen der Kaffees nachvollziehen können und dass die Kaffees nicht zu exotisch sind. Besonders helle, säure- und aromabetonte Röstungen sind überaus interessant, jedoch häufig eine Gratwanderung.“, beschreibt Andreas Wessel-Ellermann die Qualitätsstandards. Die Liebe zum Produkt Kaffee und Sorgfalt bei der Herstellung sind das A und O in der Speicherstadt Kaffeerösterei. „Wir vertreten die Meinung das jeder Kaffee seinen speziellen Röstgrad hat, bei dem er seine Aromen optimal entfaltet und versuchen diesen Punkt immer wieder von neuem in Millimeterarbeit mit unserer Röstung zu erreichen. Wir arbeiten dabei gern mit alten, bewährten Anlagen die wenig anfällig sind, sich gut steuern und im Bedarfsfall auch schnell reparieren lassen. Gerade beim Probenröster und beim 3 Kg-Röster lernen unsere Mitarbeiter ohne technische Hilfsmittel das Rösthandwerk am besten.“ so Thimo Drews.

In der Praxis bedeutet dies, dass ein erdgasbefeuerter Probenröster mit 3 Trommeln , eine propangasbefeuerte 3 Kg-Trommelröster und einen L50-Trommelröster mit einer semi-automatischen Steuerung vom benachbarten Cafe aus zu bewundern sind. Alle drei Anlagen stammen von Probat. Die Liebe zum Kaffee, das Engagement für die Menschen in den Anbauländern und der konsequente Qualitätstandard machen die Speicherstadt Kaffeerösterei zu einem würdigen „Röster des Jahres“. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und fühlen uns in unserer Arbeit und Zielsetzung bestätigt. Unser Dank gebührt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich an 364 Tagen im Jahr für unsere Spezialitätenrösterei einsetzen und einen erstklassigen Job machen!“, erklären die beiden sympathischen Röster. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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„Röster des Jahres“ – so wurde bewertet:

Mit der Speicherstadt Kaffeerösterei wählt die crema-Redaktion nun schon zum siebten Mal einen „Röster des Jahres“. Die bisherigen Preisträger waren: 2008 Supremo Rösterei, 2009 Elbgold, 2010 Rast Kaffee, 2011 Dresdner Kaffee- und Kakaorösterei, 2012 Erste Tegernseer Kaffeeröstei und 2013 die Kaffeerösterei Schwarzwild.

Die Auswahl zum Röster des Jahres erfolgt nach drei Hauptkriterien: 1. Qualität der angebotenen Kaffees bzw. der Röstungen, 2. Leistungen bei Lieferung, Service und Verpackung und 3. Fairness und Nachhaltigkeit beim Einkauf des Rohkaffees. Alle drei Kriterien werden im Laufe eines Jahres über Testbestellungen bei den Röstereien mehrmals überprüft. Das garantiert, dass die zu bewertenden Leistungen über einen längeren Zeitraum eingeschätzt werden können. Getestet werden ausschließlich Röstereien im deutschsprachigen Raum (D/A/CH). Die Auswahl der zu testender Röstereien sowie der Test selbst werden durch eine Fachjury aus unabhängigen Experten und Fachjournalisten durchgeführt. Die Auszeichnung zum Röster des Jahres ist eine der höchsten Ehrungen in der deutschsprachigen Kaffee- und Rösterszene. Verlag und Redaktion des crema-Magazins garantieren einen fairen und unabhängigen Wettbewerb. Die Testphase für den Wettbewerb 2015 beginnt ab Oktober 2014.

 

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