Ohne Wasser wäre Kaffeegenuss nicht möglich. Doch welche Rolle spielt das Wasser bei der Geschmacksentwicklung? Wir sind für Sie dem Wasser einmal mehr auf den Grund gegangen. Erfahren Sie, warum guter Kaffee auch bestes Wasser verdient hat und wie Sie ihr Wasser optimal vorbereiten.
Text: Dr. Hans Jürgen Langenbahn www.maskal.de
Das Wasser hat auf Aroma und Geschmack einen enormen Einfluss. Es sind dabei nicht allein die leicht messbaren Faktoren wie die Härte und der ph-Wert, es sind auch die im Wasser in unterschiedlichen Konzentrationen enthaltenen zahlreichen chemischen Substanzen (Mineralien), Chlorierungen, das Material der jeweiligen Wasserleitungen oder die Dauer, die das Wasser vor der Nutzung in den Leitungen stand, die einen Einfluss auf Geschmack und Aroma haben können. So kann der gleiche Kaffee bei gleichen messbaren Wasserwerten und identischer Zubereitung aufgrund der anderen Faktoren deutlich unterschiedlich schmecken; und bei der Nutzung von ein Mal sehr weichem und ein Mal sehr hartem Wasser kann es passieren, dassβein Kaffee nur noch von geübten Verkostern als ein und derselbe zu identifizieren ist.
Gutes Kaffeewasser sollte stets frisch und sauerstoffreich sein. Es ist deshalb sinnvoll, nur kaltes, nicht abgestandenes Wasser für den Kaffee zu verwenden. Dieses Wasser sollte so schnell wie möglich erwärmt werden, damit während der Aufheizzeit so wenig Sauerstoff wie möglich verloren geht. Deshalb bitte auf keinen Fall warmes Wasser aus der Leitung nehmen und es danach aufkochen. Ist aus der Leitung längere Zeit kein Wasser entnommen worden, z. B. während einer Urlaubs, so ist es nicht anzuraten, das erste herausgelassene Wasser für die Kaffeezubereitung zu verwenden. Auch Wasser, das mehrere Tage ungenutzt in einem Vollautomaten stand, ist für die volle Geschmacksentwicklung ungeeignet. Es hilft dabei wenig, den Wasserbehälter zu entleeren, denn je nach Maschinentyp bleibt ein Teil des Wassers immer im Boiler. In einem solchen Fall gibt es nur zwei Lösungen: hart sein im Nehmen und die ersten 1 – 2 Tassen trinken oder sie wegschütten.
Der sicher bekannteste und vielleicht am stärksten auf den Kaffeegeschmack Einfluss nehmende Faktor ist die Wasserhärte. Wie aber entsteht „Wasserhärte“ und was bedeutet sie im Einzelnen? Regenwasser fließt von der Oberfläche durch den Boden und sammelt sich als Grundwasser. Es hängt von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit ab, in welchem Umfang welche Stoffe dabei aus dem Boden herausgelöst werden. Je höher dabei der Anteil an Kalzium und Magnesium ist, den das Wasser auf seinem Weg durch den Boden aufnimmt, desto härter ist es. Die Wasserhärte ist genau genommen ein Maß für die Menge der im Wasser als Ionen gelösten Mineralien, insbesondere der lebensnotwendigen Mineralien Kalzium und Magnesium. Gutes Kaffeewasser kann gerne mineralreich sein, da die im Wasser enthaltenen Mineralstoffe und Salze zusätzlich Geschmacksträger sind.
Je weicher ein Wasser ist, desto weniger Kalkablagerungen gibt es bei den Haushaltsgeräten und desto weniger Spülmittel und Waschpulver wird benötigt. Weiches Wasser findet sich vorzugsweise in Regionen mit Granit, Gneis, Basalt und Schiefer. Hartes Wasser verursacht hingegen eine Verkalkung der Gerätschaften und bedingt einen höheren Verbrauch an Spül- und Waschmitteln. Kalkablagerungen in den Wasserleitungen schützen allerdings das Metall vor Korrosion. Hartes Wasser ist vorherrschend in Regionen mit Sand- und Kalkstein.Hartes Wasser kann die feinen Säuren des Kaffees neutralisieren und einen flachen Geschmack ergeben. Dieser Effekt ist umso stärker, je länger die Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffeemehl andauert. Das Ergebnis ist dann – trotz langer Kontaktzeit – ein wenig aromatischer und flacher Kaffee.
Ein Tipp bei hartem Wasser: Lassen Sie nach dem Kochen das Wasser einige Minuten stehen und kochen es, je nach Härtegrad, ein- bis zweimal erneut auf. Trotz des dadurch verursachten Verlustes an Sauerstoff gewinnt der Kaffee durch den ausfallenden Kalk deutlich an Geschmack. Oder geben Sie je Tasse eine winzige Prise Natron (in jedem Lebensmittelgeschäft oder Supermarkt für ein paar Cent erhältlich) dazu. Aber auch zu weiches Kaffeewasser kann den Kaffeegeschmack negativ beeinflussen. Hier kann es zu einer Veränderung des Quellverhaltens des Kaffeemehls kommen. Überextraktion mit einer hohen Säure und Bitterintensität im Kaffee und damit eine niedrige Geschmacksakzeptanz können die Folgen sein.
Der pH-Wert ist für die Beurteilung des Wassers ebenfalls sehr entscheidend. Die Skala der möglichen pH-Werte reicht von pH 0 (extrem sauer, z. B. Salzsäure) bis pH 14 (extrem basisch, z. B. Natronlauge). In der Mitte der pH-Skala liegt der sogenannte Neutralpunkt mit einem pH-Wert von 7. Idealerweise sollte der pH-Wert von Trinkwasser in der Nähe von pH 7 liegen, geringe Abweichungen sind jedoch üblich und gesundheitlich völlig unbedenklich. Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass das Trinkwasser einen pH-Wert zwischen 6,5 und 9,5 aufweisen muss.
Der für die Kaffeezubereitung ideale Wert liegt bei 7 – 7,2. Zum Vergleich: Coca-Cola hat einen pH-Wert von etwa 2,3, Zitronensaft ca. 2,5; beide sind also sehr sauer. Ist das Wasser sauer (pH < 7), spielt die Kontaktzeit keine so bedeutende Rolle. Die Kaffeesäuren werden insgesamt stärker betont und treten deutlicher zutage. Der Kaffee zeigt viel klarer „was in ihm steckt“ als bei hartem Wasser mit hoher Karbonathärte und hohem (=alkalischen) pH-Wert. Die Härtegrade und alle anderen relevanten Werte Ihres Trinkwassers erfahren Sie unproblematisch über Ihren regionalen Wasserversorger (meistens bei den Stadtwerke). Sie können Ihrer Wasserrechnung entnehmen, welches Wasserversorgungsunternehmen für Sie zuständig ist. Geben Sie aber Ihren genauen Wohnort an, denn viele Wasserversorger beziehen Wasser aus unterschiedlichen Provenienzen, sodass das Wasser eines Versorgungsgebietes, sofern es sich nicht um Mischwasser handelt, je nach Wohnort oder Stadtviertel verschieden sein kann. Bei einigen Wasserversorgern ist es sogar möglich, die Werte für einzelne Straßen und Hausnummern zu erfragen.
Was viele Liebhaber von Espresso, Cappuccino & Co. nicht wissen: Durch den Einsatz von Wasserfiltern lässt sich Kaffee geschmack-lich deutlich verbessern. Denn gefiltertes Leistungswasser ist weicher. Bei der Kaffeezubereitung sorgt es für bessere Aroma-Entfaltung und mehr Geschmack. Auch pur oder gekühlt – als extra zum Kaffee – schmeckt gefiltertes Wasser hervorragend. Ein weiterer Vorteil: Gefiltertes Wasser schützt Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten wirkungsvoll vor Verkalkungen. Positiver Effekt für die Geräte: eine längere Lebensdauer sowie ein geringerer Energieverbrauch.
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