Sie sind die Top-Player in der Kaffee-Championsleague: die Latte-Art- und Barista-Meister. Deutschlands bester Latte-Art-Künstler kommt aus München. Wir trafen ihn auf einen Cappucchino, um ihm die wichtigsten Tricks für einen perfekten Latte-Art zu entlocken.
Etwa 28 Grad im Schatten hat es in München, als ich mich auf die Suche nach dem Deutschen Latte-Art-Meister Sebastian Lösch mache. Er hat dieses Jahr in Hamburg auf der Coteca Messe mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,5 Punkten die Kaffeeolympiade gewonnen und durfte somit an der SCAE-Weltmeisterschaft in London teilnehmen.
Fündig werde ich im Black Bean Coffee Shop in Schwabing im Herzen Münchens. Ein schlanker, sehr kurzhaariger junger Mann mit Brille. Auf den ersten Blick sofort sympathisch, mit einer Begeisterung für das Milchschäumen und Gießen. Nach der Begrüßung genieße ich schon den ersten Cappuccino mit Milchkunst verziert. Und das vom Latte-Art-Champion höchstpersönlich. Das können übrigens auch Sie, denn er saß natürlich nicht zufällig dort, sondern verdient hier momentan sein Geld. Solch eine Chance bietet sich Ihnen nicht jeden Tag. Kommen Sie einfach vorbei und bitten ihn am besten um ein bestimmtes Wunschmotiv, fast wie beim Luftballonkünstler der Ihnen auf Wunsch einen Hund bastelt. Und wer weiß vielleicht setzt Sebastian auch Ihren Wunsch um. 
Ein Geheimrezept für seinen Erfolg ist nämlich die beinahe tägliche Übung. Sebastian Lösch findet: „Wenn dir der Gast etwas bedeutet, bist du unter Druck und willst ihm was Gutes bieten.“ So versucht er, in jeden ausgeschenkten Kaffee mit Milch noch eine Form zu gießen. Oft ertönt dann beim Servieren ein überraschtes „ Ahhh“ und „Uhhh“, aber es kommt auch schon einmal die Frage nach den verwendeten Schablonen. Wenn Sebastian Ihnen dann erklärt, dass die Muster durch eine Gießtechnik entstehen bli- cken Sie ungläubig drein. „Ich bitte die Gäste dann meistens, noch einen Cappuccino zu bestellen und gieße dann direkt an deren Tisch.“ Als gelernter Schreiner liegt die Liebe zur Handarbeit nahe, doch wie kam das Interesse für Kaffee? „Die Leidenschaft für Kaffee bestand eigentlich schon immer, mit 17 stand ich dann das erste Mal an einer Espressomaschine. 2002 begann ich in dem erstem Coffee-Shop zu arbeiten.“ Er wusste zwar, dass es so etwas wie Latte Art gibt, hatte aber eigentlich nie Zeit, sich damit zu beschäftigen, bis es an einem neuen Arbeitsplatz gefordert wurde. Wer hätte damals gedacht, dass dies zu einem ersten Platz bei der Deutschen und einem phänomenalen vierten Platz unter 34 Teilnehmern bei den Internationalen Latte Art-Meisterschaft reichen würde?
Mit seiner Platzierung ist Sebastian wie er sagt „mehr als zufrieden“. Andere hatten über ein halbes Jahr Zeit, sich auf die Meisterschaften vorzubereiten. Sebastian hatte genau zehn Tage, um alles in die Wege zu leiten. Wobei die erste Woche so gut wie nur für die Reiseplanung und die Organisation draufging. Es waren keine einfachen Bedingungen, denn bei den Weltmeisterschaften zählt jede Kleinigkeit. Und kaum einem Besucher ist bewusst, wie viel Detailarbeit hinter einem gegossenen Bild steckt. Sebastian musste sich auf die vorgegebenen Tassen und deren Größe einstellen, auf die englische Milch, die sich beim Schäumen anders verhält als die, mit der er in Deutschland geübt hatte, die englischen Wasserverhältnisse musste man beim Espresso mit einplanen und noch vieles mehr. Nachdem er bei der Deutschen Meisterschaft was die Taste-Noten anging nicht so gut abgeschnitten hatte, borgte er sich kurzerhand den Meisterschaftskaffee mit einer der besten Noten von einem Mitstreiter. Sebastian erzählt: „Es heißt oft Latte-Art-Künstler können keinen Kaffee machen, weil die Taste-Bewertungen immer relativ niedrig sind.“ Aber bei Latte Art geht es nun einmal vorrangig um die Gleichheit der Bilder. 
Innerhalb von acht Minuten müssen die Teilnehmer ihre drei zuvor abfotografierten Bilder noch einmal und vor allem möglichst identisch gießen. Das ganze in doppelter Ausführung. Und wenn man ein Foto von einem misslungenen Bild machen würde, müsste man das ganze zweimal genauso schlecht gießen. Beides eine Herausforderung. Sein immer wiederkehrendes Motiv bei den Meisterschaften war der Fisch in Grätenform. Dessen Kopf dann noch geedged wurde. Es wurde also mit Latte-Art-Besteck nachgeholfen und das Gesicht wurde gezeichnet. Grundsätzlich ist Sebastian allerdings kein großer Fan vom Edgen: „Wenn man das Gießen beherrscht, dann will man kaum noch edgen, bestenfalls, um Motive klarer zu kontrastieren.“ Seiner Meinung nach benötigt man außerdemnicht unbedingt teures Baristawerkzeug dazu. Meistens genügt die Rückseite eines Löffels. Genauso eignen sich Zahnstocher und Schaschlikspieße.
Zum Ende gibt Sebastian den crema-Lesern noch einiges an Weisheiten mit, um Latte-Art-Künstler werden zu können. „Das allerwichtigste, bevor überhaupt irgendetwas geschieht, ist, immer zuerst die Dampfdüse auszublasen.“
Ein guter Milchschaum ist das A und O, nur wenn dieser passt, lässt sich ein Muster gießen. Die beste Gießtechnik hilft nicht, wenn der Schaum nicht richtig sitzt. Grundsätzlich sollte immer eine saubere Kanne verwendet werden. Denn wenn innen zu viele Milchreste sind, lässt sich kein guter Schaum mehr herstellen. Kalte Milch ist gerade für Anfänger besser als warme Milch, da die Ziehphase länger anhält und die Milch nicht ganz so schnell warm wird. Die Kanne zum Anfangen sollte etwa 750 ml bis zu einem Liter fassen. Je größer die Kanne, umso mehr Zeit haben Sie bis die Milch schäumt. Eine schon mal geschäumte Milch sollte nicht mit ungeschäumter vermischt werden, da Sie so keinen guten Milchschaum mehr produzieren können.
Die Kanne bis zum Tüllenanfang, also etwa bis zur Hälfte, mit kalter Milch befüllen. Nun stellen Sie die Dampfdüse gerade, bei Bedarf können Sie beim Schäumen nachjustieren. Die Dampfdüse muss in die Milch, aber nicht zu tief. Nun während des Schäumens in Millimeterarbeit die Kanne immer weiter runterziehen, bis Sie merken, dass die Kanne warm wird. Bei einer idealen Temperatur von 38° C lassen Sie die Milch rollen, dass bedeutet, die Dampfdüse ist nun relativ in der Mitte der Kanne. Hierbei wird die untere Milch mit dem Schaum von oben vermischt, wobei die Luftblasen zum Großteil verschwinden. Wenn die Kanne so heiß ist, dass Sie sie fast nicht mehr halten können, ist der Schaum fertig. Das ist idealerweise bei 70° C der Fall.
Bei höheren Temperaturen zerfällt der Schaum wieder, weil sich Fett und Proteine lösen. Lassen Sie die Milch nun ca. 20 Sekunden stehen und dann kurz die restlichen Bläschen ausklopfen, nun die Kanne so lange schwenken, bis der Schaum zu glänzen anfängt. Anschließend separiert man mit einer zweiten Kanne so viel Milch, dass man etwas mehr hat, als man zum Gießen benötigt und wieder schwenken, damit keine Milchschaumklumpen entstehen. In der Praxis hört sich das recht kompliziert an, am besten Sie probieren es einfach selbst aus. 
Sebastian sagt von sich: „Ich habe auch etwa drei bis vier Monate gebraucht, bis ich wusste, wie man wirklich richtig schäumt.“ Nur einmal als Anhaltspunkt, zum Üben verbrauchten die drei deutschen Teilnehmer der Weltmeisterschaft in der Vorbereitung etwa 140 Liter Milch und zwischen 40 und 50 kg Kaffee. Sie sehen schon, es steckt einiges an Zeit, aber auch Materialinvestition dahinter. Der verwendete Espresso sollte eine feinporige Crema besitzen, diese darf allerdings nicht hart werden, denn das beeinflusst das Bild erheblich. Die Crema ist wichtig für den Kontrast des Bildes. Die Gießtechniken selbst lernt man laut Sebastian nur durch Beobachtung und Nachahmung. Er legt den crema-Lesern alte Meisterschaftsvideos ans Herz. Er selbst sagt: „Ich habe wirklich Tage zugebracht mir die Videos anzuschauen und die verschiedenen Gießtechniken nachzuahmen. Wenn Sie einen chinesischen Vasenmaler beobachten, wie er aus dem Gedächtniss zeichnet, dann denkt man zunächst auch wow, aber eigentlich hat er genau dieses Bild einfach schon tausendmal gemalt.“ Ähnlich ist das auch mit dem Gießen. Wie heißt es so schön im Volksmund? Übung macht den Meister.
Zum Schluss verrät Sebastian noch ein offenes Geheimnis: „Obwohl ich der Latte-Art-Meister bin, würde ich gerne irgendwann ein reines Brühcafé eröffnen, den trinke ich nämlich am liebsten.“
Text und Fotos: Susanne Gärber
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