Der „Röster des Jahres 2026“ ist die Melitta Manufaktur aus Bremen. Sie überzeugten die Jury über einen längeren Zeitraum mit der Qualität der angebotenen Kaffees, im Kundenservice sowie bei der Nachhaltigkeit im Einkauf der Rohkaffees.

Es ist wieder soweit: Wir enthüllen den Röster des Jahres 2026! Nach zwei Jahren Berlin in Folge geht der Titel dieses Jahr in die Kaffeestadt Bremen. Es war keine leichte Wahl aber unsere Fachjury war sich schließlich einig: Die Spitzenleistung dieser Rösterei muss gekürt werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei traditionell auf folgenden Kriterien: Bezugsquellen des Rohkaffees, Nachhaltigkeitsengagement, Umfang und Qualität des Sortiments, Kundenservice und Liefergeschwindigkeit. Mit der Melitta Manufaktur dürfen wir die diesjährige Gewinnerin verkünden.
Folgende Expertinnen und Experten aus dem Melitta-Team standen uns im Interview Rede und Antwort: die Marketing-Managerin Specialty Coffee Ana Dießenbacher, Expertin für Coffee Competence and Training Nicole Böhmke, Nachhaltigkeitsmanagerin Svea Behnke, Jörg Lehmann als Verantwortlicher für den Rohkaffee-Einkauf sowie Manufakturleiter Sven Bosma.
„Wir sind wahnsinnig stolz, dass ihr uns ausgezeichnet habt, dass ihr uns gesehen habt und unsere Leistung anerkennt!“, sagt Nicole begeistert. „Wir sind uns total bewusst darüber, dass wir der erste Großröster sind und dass das wahrscheinlich auch kontrovers diskutiert werden wird. Umso mehr freuen wir uns über diese Auszeichnung.“

Die Manufaktur —
Gründung, Geschichte, Hintergründe
In einer alten, kernsanierten Lagerhalle ist die Rösterei in direkter Nähe zum Melitta Hauptwerk in der Hansestadt beheimatet. Hier finden sämtliche Produktionsschritte statt, von der Rohkaffee-Einlagerung bis hin zum Versand. „Wir haben schon früher, bevor es die Manufaktur gab, im großen Werk Spezialitäten-Kaffees geröstet. Dort hatten wir nur die Möglichkeit, in größeren Chargen zu rösten, was eine Herausforderung für sich war“, erklärt Ana. Der Bedarf nach einem kleineren Produktionsstandort, der auf die speziellen Anforderungen für das Rösten von Spezialitätenkaffee ausgerichtet ist, zeichnete sich mehr und mehr ab. 2018 bildete sich bei Melitta ein kleines Team von fünf bis sechs erfahrenen Mitarbeitern voller Kaffee-Leidenschaft, die sich um das gesamte Setup ihres „Herzensprojekts“ kümmerten: Von Baugenehmigungen über die Wahl der Röstmaschine bis hin zur Entwicklung der Prozesse. „Die Erfahrungen aus dem großen Werk und die Begeisterung der Kollegen, die für das Projekt gebrannt haben, bei dem sie in einem eigenen kleinen, feinen Werk nochmal stärker zeigen können, was wir neben unserem starken Auftritt im Mainstream können, trieb das Projekt voran“, erklärt die Marketing-Managerin weiter. 2020 öffnete die Manufaktur schließlich ihre Tore, das erste Produkt kam 2021 auf den Markt.

Wer hinter der Melitta Manufaktur steckt
Das Manufaktur-Team besteht heute aus vier Kollegen: Sven, Leiter und Gründungsmitglied der Manufaktur, ist bereits seit 13 Jahren bei Melitta und war vorher für den
Bereich Qualitätssicherung zuständig. Er ist verantwortlich für den gesamten Bereich der Manufaktur, von der Warenannahme über die gesamten Produktionsprozesse bis hin zum Versand. Röstmeister und ebenfalls seit der Entstehungsphase dabei ist der gebürtige Guatemalteke Alfred Liere. „Wir sagen immer, dass bei ihm da, wo andere Blut haben, Kaffee in den Adern fließt“, beschreibt der Vorgesetzte seinen Kollegen. Der passionierte Röstmeister ist auch bei der Produktentwicklung mit dabei. „Wir lernen jeden Tag von ihm. Wenn wir Produkte aus Guatemala im Sortiment haben, macht ihn das immer besonders stolz!“
Stephan Gehrke ist seit 2022 dabei. Den gelernten Maschinen- und Anlagenführer hat das Kaffee-Fieber ebenfalls gepackt, er ist angehender Röster. Seit Anfang des Jahres komplettiert Sven Neske das Team, der aus dem Bereich Verpackung kommt und die Skills für die Steuerung der halbautomatischen Maschinen mitbringt. Die Manufaktur-Belegschaft steht in enger Zusammenarbeit mit dem Melitta-Rohkaffee-Management, vertreten durch Jörg und Sevda Bagci. „Die beiden sind für uns enorm wichtig, weil wir uns nicht um den Einkauf und die Beschaffung der Kaffees kümmern müssen“, erklärt der Manufakturleiter. „Zur Begleitung haben wir außerdem die gesamten Kernkompetenzen aus allen anderen Schnittstellen im Hintergrund: Unser Marketing, Controlling, Vertrieb und weitere Experten aus jedem Bereich. Eine Abteilung innerhalb einer großen Gruppe zu sein ist für uns schon ein gewisser Vorteil auf dem Produktmarkt, weil wir uns dadurch auf das Wesentliche konzentrieren können.“ Auch Nicole betont den Vorzug, den die Expertise des Großrösters bietet. „Deshalb sitzen wir heute auch in dieser Konstellation, mit Sven als Vertreter des Manufaktur-Teams, und die anderen, die wir hier sitzen, vertreten einige der Expertenstellen, denn es sind ja noch viel, viel mehr Kollegen, die an dem ganzen Thema mitarbeiten und unterstützen. Das ist eine Riesenerleichterung für das Manufaktur-Team.“
Der Rohkaffeebezug — Warten auf ein Match
„In einer Manufaktur kann man Kaffees benutzen, die für den Mainstream-Bereich überhaupt nicht infrage kommen. So können wir mit unterschiedlichsten Aufbereitungs-Methoden experimentieren“, berichtet Jörg. Das Rohkaffee-Management steht dabei im engen Austausch mit Nicole, Ana und Sven und brainstormt regelmäßig gemeinsam: Welche Highlights sollen als nächstes produziert werden? Dabei muss natürlich stets im Blick behalten werden, wie sich das von der Verfügbarkeit und den Beschaffungskosten darstellen lässt. Steht der Plan für das nächste Jahr, werden dutzende Samples bei internationalen Spezialitäten-Händlern bestellt. „Damit geht’s ins Probenzimmer und dann wird gecuppt und geguckt und gecuppt und geguckt und so arbeitet man sich durch die Muster und wartet auf ein Match. Dies ist eine deutlich andere Art der Beschaffung, wie wir das für Melitta als sehr bekanntes Markenunternehmen machen“, erklärt Jörg den Prozess weiter. „Wir haben es mit anderen Ansprechpartnern und Volumina zu tun.
Jeder Kaffee, den wir für die Manufaktur auswählen, hat neben seinem besonderen Geschmack eine eigene Geschichte, die es zu verstehen und erzählen gilt.“

Projekte im Ursprung und Nachhaltigkeitsbestrebungen
„Die Verantwortungsübernahme im Ursprung ist für uns als Familienunternehmen nicht nur ein ganz besonderes Anliegen, sondern auch eines unserer Kernelemente in der Nachhaltigkeitsstrategie. Wir möchten als Familienunternehmen generationsübergreifende Verantwortung für Umwelt und Mensch übernehmen“, erklärt Nachhaltigkeitsmanagerin Svea. Seit 2013 laufen deshalb verschiedene, mehrjährige Community-Projekte in den Ursprungs- ländern. Die Themenschwerpunkte unterscheiden sich je nach Bedarf von Region zu Region und werden mithilfe lokaler Partner oder NGOs eruiert. Auch mit der Kinderrechtsorganisation Plan International wurde bereits ein großes Projekt umgesetzt, 2026 sollen noch fünf Weitere folgen.
„Beim Thema Nachhaltigkeit sind wir bei Melitta Kaffee relativ vielschichtig aufgestellt“, erläutert Svea weiter. „Neben dem sozialen Engagement haben wir uns als Unternehmen auch Klimaziele gesetzt, wollen per SBTi-Verpflichtung Emissionen reduzieren und haben uns dabei recht ambitioniert auch Net-Zero-Ziele gesetzt.“ Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Chancengleichheit: „Unser Unternehmen wurde vor 120 Jahren von einer Frau – Melitta Bentz – gegründet, in einer Zeit, in der Frauen noch nichtmal wählen durften. Darum engagieren wir uns besonders in diesem Bereich, um Frauen und Mädchen zu stärken!“
Die Produktpalette — Rund um den Kaffeegürtel
Das Portfolio besteht aus zehn Kaffees und teilt sich grundsätzlich in zwei verschiedene Kategorien: das 500-Gramm- und das 250-Gramm-Sortiment. „Ersteres ist als Einstieg für den Mainstream-Bereich konzipiert und soll die Brücke zu Spezialitäten schlagen“, erläutert Ana. Daher wird er in ausgewählten Supermärkten einer neugierigen und offenen Zielgruppe angeboten. Diese Linie bleibt von der Herkunft und Aufbereitungsmethode immer gleich. Ist eine Ernte aufgebraucht, wird nach einem adäquaten Ersatz Ausschau gehalten. „Unser Espresso Indien beispielsweise heißt dann weiterhin Espresso Indien, kommt dann aber vielleicht von einer anderen Farm. So erlebt der Verbraucher keine unerwünschte Überraschung und erhält weiterhin sein gewohntes Produkt.“ Grundsätzlich soll den Konsumenten der gesamte Kaffeegürtel nähergebracht werden, auch jenseits der bekanntesten Anbauländer. Wichtiger als das Herkunftsland sei dabei jedoch immer das Geschmacksprofil.
Das 250-Gramm-Sortiment ist ausschließlich im Online-Shop erhältlich. Hier verhält es sich, wie für Spezialitätenkaffee üblich: ist eine Sorte ausverkauft, wird sie durch einen ganz neuen Kaffee abgelöst. „Hier bieten wir Spezialitäten-Kaffees, die noch mehr ins Micro-Lot gehen, von dem noch kleinere Mengen zur Verfügung stehen, weil es eben spezielle Farm-Kaffees sind beziehungsweise Kaffees von kleineren Kooperativen. Die Geschmacksnuancen sind hier noch komplexer, noch überraschender“, so Ana, die seit acht Jahren bei Melitta ist.
„Wir denken immer vom Konsumenten kommend“, ergänzt Nicole, die in der Belegschaft auch als wandelndes Kaffeewissen bekannt ist. „Wir nehmen im ganzen Specialty-Markt auch so eine kleine Sonderrolle ein und rösten ganz bewusst ein bisschen dunkler, als es viele andere Spezialitätenröster tun. Direkt vom Mainstream kommende Konsumenten sind Röstaromen gewohnt und suchen diese auch. Würden wir die nicht liefern, würden wir Reaktanzen gegenüber Specialty Coffee auslösen — und wir wollen doch immer mehr Menschen für Specialty Coffee begeistern.“
On top gibt es noch die Limited Editions, die beispielsweise für Coffee Festivals geröstet werden. Hierzu zählt etwa der Kaffee aus Kolumbien vom Campo Hermoso mit einer besonders raffinierten Aufbereitungsart: Bei der Red Honey Mosto Recirculation werden die Kaffeekirschen im eigenen Kaffeekirschensaft zunächst fermentiert und danach im Honey-Verfahren aufbereitet, was dem Kaffee eine extrem fruchtige Note verleiht.

Ein Einblick in die Rösterei
Die Tour durch den Produktionsbereich startet im kleinen Sacklager, in dem die für den Wochenbedarf benötigten Rohkaffees nach der Eingangskontrolle auf ihre Veredelung warten. Weiter geht es an mehreren kleine Silozellen vorbei, die als Arbeitssilos für das Abwiegen der einzelnen Rohkaffees fungieren. Kernelement ist der Probat Trommelröster mit einem Fassungsvolumen von 60 Kilo. In Chargengrößen zwischen 35 bis 60 kg wird nahezu täglich bedarfsorientiert geröstet. Bevor der Kaffee röstfrisch verpackt wird, durchläuft er für die Fremdkörperselektion noch den Entsteiner. Filterkaffee, der wie im Specialty Bereich üblich einen eher kleinen Anteil gegenüber der ganzen Bohne ausmacht, wird mit einer großen Scheiben-Mühle nach Kundenwunsch gemahlen.
Eine Besonderheit ist die halbautomatische Packmaschine. „Uns war von vornherein wichtig, den Produktionsprozess unserer frisch geernteten und frisch gerösteten Produkte auch mit einer Verpackung zu vollenden, die die Ware so lange wie möglich frisch hält. So haben wir eine Packmaschine mitentwickelt, die einen Schutzatmosphären-Aufschlag mit Stickstoff vornimmt. Dadurch wird das Aroma geschützt und die Frische des Kaffees länger gewährleistet. Das ist eine Erfahrung, die wir aus dem Hauptwerk adaptiert haben“, erklärt Sven. Schließlich werden die Tüten etikettiert und handverpackt. „Wenn wir mal überlegen, wie oft wir jeden einzelnen Beutel in der Hand hatten, bevor wir ihn dann selber in den Karton stellen, dann ist das einfach schon ein tolles Gefühl.“
Genau wie das Hauptwerk ist auch die Manufaktur als Lebensmittelhersteller Bio VO-, Fairtrade-, IFS Food, sowie RFA zertifiziert. Dadurch sind sämtliche Produktionsschritte von der Rohkaffee-Eingangsprüfung bis hin zur Warenausgangslieferung nach streng definierten Qualitätsvorgaben festgelegt. „Durch dieses zertifizierte QM-System können wir gleichbleibende Qualitäten liefern“, betont Qualitätsmanagement-Experte Sven. „Das erwarten unsere Kunden einfach, das sind sie aus dem großen Werk schon gewohnt.“

„El Salvador“ und „Campo Hermoso“ mit Spezialitäten-Score.
"Röster des Jahres" so wurde bewertet:
Die Auswahl zum „Röster des Jahres“ erfolgt nach drei Hauptkriterien: 1. Qualität der angebotenen Kaffees bzw. der Röstungen, 2. Leistungen bei Lieferung, Service und Verpackung und 3. Fairness und Nachhaltigkeit beim Einkauf des Rohkaffees. Alle drei Kriterien werden im Laufe eines Jahres über Testbestellungen bei den Röstereien mehrmals überprüft. Das garantiert, dass die zu bewertenden Leistungen über einen längeren Zeitraum eingeschätzt werden können. Getestet werden ausschließlich Röstereien im deutschsprachigen Raum. Die Auswahl der zu testenden Röstereien sowie der Test selbst werden von einer Fachjury aus unabhängigen Experten und Fachjournalisten durchgeführt. Die Auszeichnung zum „Röster des Jahres“ ist eine der höchsten Ehrungen in der deutschsprachigen Kaffee- und Rösterszene. Verlag und Redaktion des crema Magazins garantieren einen fairen
und unabhängigen Wettbewerb. Die Testphase für den Wettbewerb 2027 beginnt ab Oktober 2026.