Coffee-Guide Frankfurt

Besonderen Kaffee verbindet man wohl eher mit Städten wie Hamburg oder Berlin. Aber Frankfurt? Allerdings – auch in der hessischen Metropole existiert und entwickelt sich eine muntere Kaffeeszene voller angenehmer Überraschungen.

Text & Bilder: Sebastian Krug

Hoppenworth-&-Ploch

Hoppenworth & Ploch
Friedberger Landstraße 86,
60316 Frankfurt
www.hoppenworth-ploch.de

Mit ihren hell gerösteten Microlot-Kaffees stechen „Hoppenworth & Ploch“ aus der lokalen Kaffeeszene heraus. Das reduzierte Interieur des Ladengeschäfts im Nordend prägen der Shopröster und ein konsequenter Einsatz von Naturmaterialien. Filialen gibt es am Campus Westend und auf dem Sachsenhäuser Markt im Hof. Das Equipment ist erstklassig: Präzise temperiertes Wasser liefert grammgenau ein Marco Überboiler – in Frankfurt einzigartig. Für Filterkaffee sorgt der Hario V60, für Espressos eine La Marzocco „Linea“. Mehrere Kaffees und Espressos stehen zur Auswahl, letztere auch mit Milch – zudem trendige Softgetränke, Eigenkreationen, einige Alkoholika, köstliche Snacks, süß und salzig. Vor allem aber trifft man hier auf Kaffee-Enthusiasten und die Einladung, sich in deren Kreis einzeureihen, ist herzlich.

Di. – So. 12 bis 18 Uhr, Fr. 12 bis 23 Uhr

kaffeewerk-espressionist

kaffeewerk espressionist
Europa Allee 29,
60327 Frankfurt
www.espressionist.net

Versteckt in den Neubauschluchten des Europaviertels liegt dieses Kleinod. Nach zweijähriger Planung setzten Yulia und Natalia ihre Idee 2011 um: Tische und Theke aus Bauholz, ein Boden aus Sichtbeton, recycelte Glaswaren, gekalkte Wände für wechselnde Ausstellungen. Als Depot der Quijote-Rösterei stehen deren Bohnen in allen Varianten zum Verkauf. Die Karte wirkt erst kompliziert, verweist aber auf eines der kaffeeaffinsten Konzepte der Stadt. Täglich stehen vier Espressos im Angebot. Welche von diesen genau in der La Marzocco Strada landen, erfährt man online. Eine Happy Hour lädt zum spontanen Espresso-Tasting ein. Filterkaffee gibt es zusätzlich von Johannes Bayer, Zubehör von Hario, AeroPress oder KeepCup. Das erstklassige Gebäude liefert Patisserie Walter, frische Milch und Joghurt der Weidenhof.

Mo. – Sa. 8 bis 18 Uhr (Shop bis 19 Uhr)

Cafuchico

Cafuchico
Eckenheimer Landstraße 61,  60318 Frankfurt
www.cafuchico.de

Brasilianische Kaffeekultur und Lebensart gibt es im „Cafuchico“. Der Name steht sowohl für Fuchico, ein Kunsthandwerk aus bunten Baumwollresten, als auch Fuxico, den Klatsch. Und zum Kaffeeklatsch im besten Sinne lädt die Atmosphäre hier ein. So farbenfroh das Café ist, so zugewandt und lebensfroh ist Rosemary, die Inhaberin. Ihr Kaffee stammt aus der Region Minas Gerais und wird von Kaffee Braun aus Aschaffenburg geröstet. Typisch brasilianisch sind „Cafezinho“ und „Café Bombom“. Verwendet wird eine eingruppige Faema „Enova“. Dazu gibt es Frühstück sowie brasilianische Kleinigkeiten. Eine besondere Empfehlung: „Açaĺ com Banana e Granola“ – ein leckeres Sorbet aus Amazonasbeeren mit Bananen und einer Art Röstmüsli. Am letzten Freitag des Monats wird Bossa nova live gespielt.

Di., Mi., So. 10 bis 19 Uhr, Do. – Sa. 10 bis 21 Uhr

Kaffeemacherei

kaffeemacherei
Eckenheimer Landstraße 70,  60318 Frankfurt
www.facebook.com/kaffeemacherei

Im Nordend, gegenüber des „Cafuchico“, befindet sich die „kaffeemacherei“. Mit einem Innenraum in Weiß und Pastell, mildem Shabby Chic, viel Holz und pfiffigen Fotografien, wirkt es wie das eine Café, das man in Stockholm vergeblich suchte. Perfekt ins Bild passt die weiße „La Marzocco FB/80“. Die Kaffees stammen von quijote, Mondo del Caffè. Ein Milchkaffee, die „milde Hilde“, wird mit den hell gerösteten Bohnen von der Rösterei Langen in Medebach zubereitet. Wechselnd kommt man auch in den Genuss von Kaffee von backyard coffee, Johannes Bayer, Phoenix in Dresden sowie Square Mile oder Tim Wendelboe. Die Auswahl an Kaffeegetränken ist groß und wird gelegentlich umgestellt. Wasser gibt es von der Hamburger Initiative Viva con Agua. Der nicht einfache, aber gelungene Spagat zwischen top Spezialitätenkaffee und gemütlichem Nachbarschaftscafé ist gelungen.

Mi. – Sa. 10 bis 18 Uhr, So. 14 bis 18 Uhr

Alma

Alma
Schwarzenburgstraße 78,
60318 Frankfurt
www.alma-restaurant.de

Im Juni eröffnete das portugiesische Restaurant „Alma“. Die Wahl eines landestypischen Kaffees fiel nicht etwa auf Kaffeeriese Delta, sondern auf den kleinen Familienbetrieb Flôr de Café aus Murça im Nordwesten Portugals. Auch deren Kaffee besitzt kräftige Röstaromen – etwas wehmütig gesteht Inhaberin Zaira aus Rücksicht vor dem mitteleuropäischen Gaumen auf einen Kaffee mit hohem Robustaanteil verzichtet zu haben – was beim portugalaffinen Gast aber umso süßere Urlaubs- erinnerungen weckt. Optisch ist das „Alma“ mit den kunstvoll ins Holz gearbeiteten Azulejos und stilvoll servierten Kaffeespezialitäten eine Augenweide: der Pingado, ein Bica – zubereitet in einer Elektra-KUP – mit etwas Milch, wird in einer Art Petrischale serviert. Die Pastéis de Natas sind original aus Portugal und die besten in Frankfurt.

Mo., Do., Fr. 11 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr, Sa. – So. 12 bis 23 Uhr

The-Espresso-Bar

The Espresso Bar
Schäfergasse 42–44,
60313 Frankfurt

Wer auf der Frankfurter Zeil Kaffeedurst verspürt, ist gut beraten, die wenigen Schritte bis  zur Schäfergasse auf sich zu nehmen. Das kleine Ladenlokal der „Espresso Bar“ mit kaum mehr als einer Handvoll Sitz- und Stehplätzen – bei gutem Wetter kommen einige Stühle auf dem schmalen Gehsteig dazu – besitzt den Charme italienischer Kaffeeorte: ideal für den flotten Espresso an der Theke, einen kurzen Plausch mit dem Barista und doch mit viel Liebe zum Detail. Dass die Rancilio bereits vor der Eröffnung im Laden gestanden haben soll und bloß als Provisorium übernommen wurde, mag man kaum glauben. Sie funktioniert so gut, dass auch sie ihre Probezeit längst überstanden hat. „The Espresso Bar“ ist ein kleines Juwel in der Frankfurter Kaffeelandschaft.

Mo. – Sa. 9 bis 17 Uhr

Frankfurter-Kaffeerösterei

Frankfurter Kaffeerösterei
Hasengasse 5–7, 60311 Frankfurt
www.frankfurter-kaffee-roesterei.de

Neulich fand in Berlin Kreuzberg der sogenannte Street Food Thursday statt, der gerade sehr angesagt ist. Eine Halle, viele Stände, Speisen und Getränke – oft organic, fair, vegan. In Frankfurt gibt es das längst: die Kleinmarkthalle. Wenn auch vielleicht etwas weniger hip, weniger veggie-korrekt. Recht zentral findet man dort eine Cafébar der Frankfurter Kaffeerösterei. Neben den eigenen Röstungen, die zum Teil auch als Pads erhältlich sind, gibt es auch Equipment und Kaffeeliteratur. Eng assoziiert mit der Frankfurter Kaffeerösterei sind der Espresso-Store und die Barista Accademia. Letztere bietet Kurse für Barista und Latte Art an.

Mo. – Fr. 8 bis 18 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr

Oheim

oheim
Oppenheimer Landstraße 48, 60596 Frankfurt
www.facebook.com/oheimFrankfurt

Das „Oheim“, ein Concept-Store in Sachsenhausen, führt neben kulinarischen
Delikatessen, ausgewählten Einrichtungsstücken und Geschenkartikeln, erlesene Spezialitätenkaffees, die im Café-Bereich vor Ort auch direkt zubereitet werden – wahlweise in einer zweigruppigen „La Marzocco GB/5“, der Chemex Filterkaraffe oder als Cold Drip. Die Hausröstung wird von „Oheim“  direkt bei der Farm gekauft und ist ein 100-prozentiger Arabica-Kaffee, Single Origin. Daneben finden sich wechselnde Gaströstungen etwa von backyard coffee, Five Elephant oder Elbgold  sowie ein schonend entkoffeinierter Kaffee von Machhörndl im Angebot. Gekocht und gebacken wird im „Oheim“ ebenfalls – und zwar nach den Prinzipien des Slow Food. Samstags gibt es auch Frühstück.

Di. – Fr. 8 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr

Kaffeerösterei-Stern

Kaffeerösterei Stern
Leipziger Straße 39,
60487 Frankfurt,
www.kaffeeroesterei-wissmueller.de

In einem Hinterhof der belebten Leipziger Straße liegt ein seltsam schöner Ort: die „Kaffeerösterei Stern“, bekannt auch unter dem Namen des Gründers Herrmann Wissmüller. Im Ausschank erhält man seinen Kaffee direkt aus der Röststube. Geröstet werden die 22 Kaffeesorten auch in einer Anlage von Probat, mit der die Eltern der heutigen Geschäftsführerin Margarete Wissmüller Sztulman sich 1949 selbstständig machten. Mit viel Herz führt die studierte Architektin, die ihre Kaffeeausbildung vor 30 Jahren in Brasilien erhielt, das Unternehmen fort. Stern Kaffee findet man in Frankfurt mancherorts, auch in der neuen Filiale „Stern Café“ am Paulsplatz gegenüber der gleichnamigen Kirche – probiert haben muss man ihn in der Zentrale. Am besten samstags, wenn der Andrang zwar groß, das Angebot allerdings um die
köstlichen Kuchen der Novisserie aus dem Westend erweitert ist.

Mo. – Fr. 8 bis 18:30 Uhr, Sa. 9 bis 15 Uhr

SEC-Kaffee-Lounge²

SEC Kaffee Lounge²
Bockenheimer Landstraße 124, 60325 Frankfurt
www.kaffeelounge.com

Nicht in Verlegenheit zu bringen ist Oliver Skafi in seiner kleinen Kaffeebar nahe der Zentralbibliothek der Uni: auch ein „Cafe leche“ ist rasch zubereitet. Ohnehin ist der fachkundige Barista dank seines Hintergrundwissens, das er in Baristaseminaren vermittelt, aber auch im laufenden Betrieb bereitwillig teilt, wohl eine der Hauptattraktionen vor Ort. Neben dem Kaffee der Rösterei Jörges aus Obertshausen – geführt werden die Gorilla Linie sowie eine exklusive Hausröstung – gibt es auch eine große Auswahl an Kaffee-Hardware, darunter sogar ausgefallene Produkte wie der Handpresso für unterwegs. Selbst verwendet Skafi in seinem Café Mühlen von Macap und eine
La Cimbali M39 GT/HD.

Mo. – Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. nach Vereinbarung

Café-Crumble

Café Crumble
Kiesstraße 41, 60486 Frankfurt
www.cafecrumble.de

Wiener Kaffeehausatmosphäre in Bockenheim. An der langen Theke, die der Vorbesitzer, ein Schreiner, selbst gebaut hat, zischt und dampft es, hausgemachter Kuchen kommt frisch vom Blech. Früher waren die Räumlichkeiten Zuhause einer Buchhandlung und auf dem großen Holztisch, der noch heute den hinteren Teil des Gastraums ausfüllt, lagen seinerzeit die Neuerscheinungen aus. Dort oder an einem Bistrotisch sitzt, wer bei angenehmem Lärmpegel eine der Tageszeitungen studieren möchte. Der traditionelle Wacker’s Kaffee gibt dank der spanischen Futurmat „Ariete“ einen hervorragenden Cortado ab. Hierzu passt ein Stück des Himbeer-Zimt- oder des russischen Zupfkuchens. Geheimtipp: An der Theke sind Heißgetränke 30 Cent günstiger.

Mo. – Fr. 8 bis 20 Uhr, Sa. – So. 9 bis 20 Uhr

Café-Kante

Café Kante
Kantstraße 13, 60316 Frankfurt

Mit dem „Kante“ besucht man ein klassisches Stadtteilcafé. Die Einrichtung ist das Gegenteil aseptischer Systemgastronomie: etwas in die Jahre gekommen und sehr gastlich, mit einer reichen Sammlung an Kaffeememorabilien und doch unprätentiös – hier soll sich jeder wohlfühlen. Gerne wird man von anderen Frühstückern oder Zeitungslesern ins Gespräch verwickelt – Kaffeehauskultur mit Jandl und Thomas Bernhard als Vorbildern. Der Kaffee, verwendet werden ausschließlich Espressobohnen, kommt seit 20 Jahren von Wissmüller. Als dessen Kinder fühlen sich die drei Betreiber ihrem Quartier verpflichtet, was sie monatlich  durch eine kostenfreie kulturelle Veranstaltung im Café ausdrücken.

Mo. – Fr. 7 bis 20 Uhr, Sa. 7 bis 19 Uhr, So. 8:30 bis 19 Uhr

Café-del-Castillo

Café del Castillo
Vorstadt 9, 61440 Oberursel
www.cafe-del-castillo.de

Streng genommen nicht in Frankfurt gelegen, per U- und S-Bahn aber in 30 Minuten aus dem Zentrum zu erreichen, ist die Oberurseler Kaffeerösterei. Mit der Idee, einfach guten Kaffee anzubieten, eröffneten Mauricio und Anna im Jahre 2006 ihr „Café del Castillo“, seit 2010 röstet das deutsch-peruanische Ehepaar im traditionellen Trommelröster von Ozmacchina selbst. Neben zehn Kaffeesorten, vom Blend über sortenreine Länderkaffees bis zum Single Estate, fällt die Vielfalt an Extraktionsverfahren auf, die zur Filterzubereitung angeboten werden: AeroPress, Karlsbader Kanne, Chemex, French Press. Der Kuchen und obligatorische Pastéis de Natas kommen aus dem eigenen Ofen, die leckeren Franzbrötchen liefert die örtliche Bäckerei Matthiesen.

Mo. – Fr. 8 bis 18 Uhr, Sa. 9 bis 16 Uhr

Basaglia-Bio-Kaffee-Rösterei

Basaglia Bio Kaffee Rösterei
Eschersheimer Landstraße 65, 60322 Frankfurt
www.cafebasaglia.de

Eine Reihe Kaffees und Espressos bietet die Rösterei „Basaglia“ des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten an. Benannt ist sie nach dem italienischen Reformpsychiater Franco Basaglia, der sich im letzten Jahrhundert für einen menschlicheren Umgang mit psychisch Erkrankten einsetzte. Der Rohkaffee wird von der Speicherstadt Kaffeerösterei bezogen, vor Ort im Trommelröster geröstet und im Café-Bereich und der Filiale in der Eschersheimer Landstraße verkauft. Ihnen soll durch eine Sinn stiftende Arbeit Unterstützung bei der Alltagsstrukturierung angeboten werden. Speisen und Getränke sind in Bioqualität, Kuchen und andere Kleinigkeiten überwiegend hausgemacht. Echtes Frankfurter Eis, das auch Bioqualität besitzt, gibt es vom Familienbetrieb BizziIce.

Mo. – Fr. 8 bis 17 Uhr

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