Im Test: Ascaso Dream

Dass nicht bloß Italiener erfolgreich Siebträger bauen können, beweist ein Blick auf das bei Barcelona ansässige Unternehmen Ascaso. Vor allem im designverliebten Heimsegment vermag die 1962 gegründete katalanische Firma, die zunächst primär Komponenten produzierte, heute zu punkten. Wichtigstes Pferd im Stall: die „Dream“, ein in knallbunten Farben erhältlicher Einkreiser im angesagten Retrolook. Wir wollten wissen, ob die spanische Schönheit neben äußeren Reizen auch innere Werte zu bieten hat.

crema-magazin_01_2016STECKBRIEF

Maße (Breite/Höhe/Tiefe in cm): 24,5 x 28 x 34,5
Gewicht: ca. 10 kg
Leistungsaufnahme: 900 W

Features
» Einkreiser
» Thermoblock
» Tank seitlich entnehmbar
» Chassis aus Alu-Druckguss
» semiprofessioneller 57mm-Siebträger
» Thermometer
» 15 Farbversionen zur Wahl
UVP: 599,- €

ERSTKONTAKT
Schmuck ist sie, ohne Frage. Unser Testgerät erstrahlt in einem satten, aber irgendwie edlen Lila, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber zweifellos Fans finden dürfte. Nach all den Boliden, die der Maschinist in den vergangenen Monaten auf den Test-Parcours wuchten musste, wirkt die zierliche Spanierin zunächst automatisch wie ein Spielzeug. Dabei ist sie mit annähernd zehn Kilo Gewicht gar nicht mal so leicht und Plastik findet sich rein äußerlich eigentlich nur in Form des seitlich befüll- und entnehmbaren 1,3-Liter-Wassertanks sowie des haptisch nicht wirklich ansprechenden Drehknebels rechts außen für den Dampf. Wer verzweifelt nach dem Netzstecker sucht: Er verbirgt sich – ziemlich clever – im Fuß des Gerätes. Ansonsten mutet die Materialität verblüffend stabil an, von der stabilen Abtropfschale bis hinab zu den satt einrastenden, stählernen Kippschaltern für Netz, Dampf- und Kaffeebezug. Da kann sich so manch teureres Maschinchen mal schön eine Scheibe abschneiden. Dies gilt im Übrigen auch für das nahezu vorbildliche Packaging sowie das mitgelieferte Zubehör, bei dem neben einer zweiten (richtigen!) Dampfdüse vor allem der tatsächlich nutzbare Aluminiumtamper genannt werden sollte. Lediglich auf ein Blindsiebmuss der Nutzer aufgrund des fehlenden Überlaufs verzichten. Schade, aber bauartbedingt nicht zu ändern.

VON AUSSEN NACH INNEN
Flott den Schraubendreher gezückt und einen Blick unters Blechkleid riskiert. Ein wenig verborgen unter Kabel-Wildwuchs entdecken wir dann auch sogleich das Herz der „Dream“: den Thermoblock. Statt über ein Kesselchen nämlich haucht die Spanierin dem Kaltwasser mittels eines Durchlauferhitzers Lebenein; am Ende der Kette sorgt eine massive Messingbrühgruppe für die dringend nötige Temperaturkonsistenz. Eher verwegen mutet dagegen eine offen verbaute, vor Wasser und Dampf kaum ausreichend geschützte Platine an. Das kann man smarter lösen. Insgesamt drängt sich hier ein bisschen viel Technik auf engstem Raum, was spätestens beim Reparieren den Servicetechniker der Wahl zur Raserei treiben dürfte. Da sind kleine Fingerchen und gute Nerven gefragt.

AUF HERZ UND NIEREN
Wie gut, dass wir nicht reparieren, sondern testen sollen. Also Wasser in den Tank gefüllt, Netzschalter mit vernehmbarem „Klack“ umgelegt und initial den Thermoblock geflutet. Nach kurzem Anlaufgetöse ertönt ein sonores, durchaus angenehmes, sanftes Brummeln. Man mag seiner Stoppuhr kaum trauen, doch bereits nach eineinhalb Minuten vermeldet der Durchlauferhitzer Vollzug. Klar: Das ist bei Licht betrachtet Makulatur, denn zu diesem Zeitpunkt ist der angeflanschte Siebträger naturgemäß noch semi-freddo. Nach unter vier Minuten allerdings können wir in medias res gehen und – befüllt mit frisch gemahlenem sardischem 70/30 – den ersten Bezug wagen.Dass dieser dann indes mit 16 Gramm vom Fleck weg gleich mehr als annehmbar aus dem Doppelauslauf rinnt, überrascht positiv. Zwar präsentiert dasResultat sich noch etwas zu kaltschnäuzig und entsprechend flach sowie wenig ausgebaut, lässt aber bereits erahnen, dass auch mit der Traumtänzerin mehr aus der Gran Miscela herauszuholen sein sollte. Unser zweiter Anlauf gelingt dann tatsächlich erheblich fetter und trägt stolz eine getigerte Bilderbuch-Crema zu Markte. Rein sensorisch bleiben die Shots dabei allerdings latent auf der bitteren Seite – was angesichts des fairen Preises aber dennoch ein mehr als achtbares Ergebnis darstellt. Das problematischste Terrain für unsere Testkandidatin ist – wir hatten es aufgrund des bauartbedingt zur Kurzatmigkeit neigenden Durchlauferhitzers nicht anders erwartet – die Milchproduktion. Rhythmisch puckert der Thermoblock sich ins Delirium, bevor die „Ascaso“ tatsächlich langsam Fahrt aufnimmt wie ein betagter Schaufelraddampfer. Wirklich heiß wird die Milch erst nach enervierend langer Schäumphase, der Schaum selbst indes ist mit der alternativ anflanschbaren Düse letztlich durchaus Latte-Art-kompatibel. Den im Lieferzustand installierten Behelfsschnorchel, der bestenfalls Blubberblasen hervorzubringen vermag, sollten Dream-Novizen am besten sofort und ohne falsche Reue dem heimischen Mülleimer übergeben.

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(1) Das Testequipment steht bereit. (2) Das Innenleben der „Ascaso Dream“: kompakt und etwas chaotisch. (3)Mit der anÿanschbaren Düsewird der Milchschaumnach längerer Schäumphase durchaus geeignet für Latte Art – in Kombination mit der guten Espressoqualität ein gelungenes Ergebnis. (4) Der Wassertank ist seitlich entnehmbar. Damit wurde getestet: Mühle: Eureka MCI, Espresso: La Tazza d’oro Gran Miscela aus Sardinien (70 % Arabica/ 30 % Robusta), Tamper: Ascaso, 57mm (im Lieferumfang), Milchkanne: Concept-Art, 0,6 Liter

RESÜMEE
Bei Licht betrachtet entpuppt sich die „Dream“ als solide verarbeitete Wunschkandidatin für Espressoliebhaber mit begrenztem Platz und hohen ästhetischen Ansprüchen. Wenn dazu noch Zeitmangel ein Thema ist, wird sie aufgrund des rasanten Thermoblocks geradezu zum Hauptgewinn. Dass vor diesem Hintergrund Milchgetränke nicht gerade die Kerndisziplin der „Ascaso“ darstellen, nimmt kaum Wunder. Der ambitionierte Heimbarista zuckt gelangweilt mit den Schultern – der (nicht selten weibliche) Rest findet sie einfach nur verdammt niedlich. Zu Recht.

FÜR & WIDER

+ fix bezugsbereit
+ kompakte Abmessungen
+ Espressoqualität in Ordnung
+ harmoniert gut mit Oberschränken
+ stabile Schalter

– keine Blindsiebreinigung möglich
– Dampflanze ohne Kugelgelenk
– bauartbedingt stark begrenzte Dampfleistung
– Dampfventil arg billig
– Tassenwerden nicht heiß
– etwas chaotisches Innenleben

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