Im Test: Gastroback Advanced Control

DER MASCHINIST VS.GASTROBACK Advanced Control

Als die Gastroback Advanced Control Ende 2012 auf den Markt kam, kratzte sich so mancher Espresso-Freund verwundert am Kopf: ein komplett ausgestatteter Dualboiler für knapp über einen Tausender? In der Tat. Seither hat sich das schnieke Gerät einen festen Platz auf so einigen Wunschlisten erobert. Ob das Maschinchen am Ende hält, was Ruf und üppige Featureliste versprechen, klärt unser Test auf Herz und Nieren.

Gastroback-Advanced-control Gastroback-Advanced-control-Detailbild

Erstkontakt

Von Namenskult hält man im Hause Gastroback scheinbar wenig. So hört auch das Spitzenmodell der Espresso-sparte hausintern auf einen eher wenig klangvollen Zahlencode – in diesem Falle 42636. Verborgen in einer schnöden, aber funktionalen Pappkartonage, hat die Advanced Control, abgesehen vom vollmundigen Slogan „Perfektion braucht Präzision“, auf den ersten Blick so gar nichts Besonderes oder Außergewöhnliches an sich. Sie ist ein Haushaltsgerät, kein Luxusartikel, mit dem sich angeben ließe. Va bene così. Jede Prahlerei ist ihr fremd, es zählen die inneren Werte. Schon beim Gewicht gibt sie sich genügsam, schlappe 12 Kilo hebt der Maschinist beinahe mit einem Finger auf die Testbank. Dafür wurde bei der Bedienungsanleitung geklotzt, was den User freut: Neben der minutiösen Langform hat der Hersteller dem beim australischen Hersteller Breville eingekauften Gerät eine sauber illustrierte Kurzversion spendiert, die ungeduldigeren Naturen das nötige Rüstzeug verschafft. (Apropos „kurz“: Das Netzkabel hätte ein paar Zentimeter mehr durchaus gut vertragen.)

Auch ansonsten setzt Gastroback auf Vollbedienung im Sinne der Kundenzufriedenheit: Neben dem massiven 58-mm-Siebträger, einer Edelstahlkanne, zwei zusätzlichen Doppelbodensieben für Mühlenmuffel, einem (etwas arg leicht geratenen) Tamper und einigen sinnvollen Reinigungstools hat man selbst Entkalkerpads spendiert. Toll sind darüber hinaus einige der an der Macchina verbauten Detaillösungen, etwa der einsehbare, chic illuminierte Wasserstand, die Klappe zum Befüllen des Tanks von vorne oder die Warnung bei übervoller Abtropfschale. Sogar an ausfahrbare Rollen zwecks periodischer Reinigung des Untergrunds hat man gedacht. Indes, es gibt auch Schatten: Ein zusätzlicher Siebträger fiel dann scheinbar doch dem Rotstift zum Opfer.

Von außen nach innen

Wo etwa Graef bei den Topprodukten im Espressosegment auf Thermoblock-Technik setzt – und damit sowohl der Temperaturstabilität als auch der Dampfpower eine Grube gräbt – macht Gastroback technisch gesehen wenig Abstriche. Zwei veritable Kessel aus Edelstahl statt Kupfer werkeln im Innern der Advanced Control – ein Feature, das sich italienische Hersteller gerne teuer bezahlen lassen. Nachdenklich stimmt da schon eher deren im besten Sinne überschaubare Dimension: Ein Liter für den Dampf mag eventuell noch angehen, die 300 ml des Brühboilers dagegen wirken zu Recht problematisch. Ebenfalls nicht zu Ende gedacht erscheint dem Maschinisten in diesem Kontext die fixe Idee, das Teewasser nicht aus dem Dampfboiler, sondern aus eben jenem Kaffeekesselchen zu entnehmen, weshalb beim Bezug dann auch die Vibrationspumpe nachhelfen muss. Der innere Aufbau wirkt ansonsten insgesamt sauber und schlüssig, vermag aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass genau hier die Unterschiede zu handwerklich hergestellten Maschinen italienischer Herkunft zu suchen sind: Statt massiver Standardbauteile aus der Gastrotechnik findet sich jede Menge Plastik, dessen Halbwertzeit man erst in einigen Jahren abschließend wird bewerten können.

Gastroback-Advanced-control-EspressoAuf Herz und Nieren

Na, dann wollen wir mal. Sofort nach dem Einschalten brummelt „the artist genuinely known as DEMAC“ zunächst verblüffend leise los, geht dann aber bis Erreichen der Solltemperatur in den Wartemodus, was einem durch rot beleuchtete Tasten kundgetan wird. Ganz selten hat man es bei einem Vibrationspumpenmodell mit einer derart kultivierten Geräuschentwicklung zu tun, Hut ab! Vom Dämmen verstehen die Herren also scheinbar schon mal was. Dafür macht sich ein latent strenger, an Fernsehgeräte erinnernder Geruch breit, dessen Ursache ebenso unklar bleibt wie die Motivation, auf dem ansonsten informativen Display lediglich die vorgegebene Brühtemperatur, nicht den tatsächlich anliegenden Istwert abzubilden. Dank Brühgruppenheizung und kleinen Wassermengen schließt bereits nach viereinhalb Minuten vernehmlich das Unterdruckventil und schlappe zwei Minuten später ist die ab Werk eingestellte Brühtemperatur von 93 °C erreicht. Selbstredend ist zu diesem Zeitpunkt der Siebträger noch bestenfalls handwarm, also üben wir uns in Geduld.

Einige Minuten darauf kann es dann aber losgehen. Die Bedienung der Gastroback ist unkompliziert und intuitiv, alle Parameter bis hin zur Tassengröße sind flugs justiert. Wir starten jedoch wie immer zunächst mit einem manuell gestoppten 16-g-Doubleshot unter Beibehaltung der Werkseinstellungen inkl. pumpengesteuerter Preinfusion bei niedrigem Druck. Das Resultat schaut schon beinahe perfekt aus, fällt allerdings sensorisch durch eine aufdringliche Bitternote sowie einen unangenehm plastikhaften Beigeschmack auf. Dass der Puck trotz bald perfekter Justage des Mahlgrads zudem mit schöner Regelmäßigkeit am Duschsieb kleben bleibt, macht ebenfalls wenig Spaß. Auch diverse Versuche, über eine Änderung der Brühtemperatur Herr der Lage zu werden, bringen kaum Besserung: Unsere geliebte Gran Miscela sieht fraglos toll aus, glänzt mit vorbildlicher Crema, schmeckt jedoch weiterhin seltsam ton- und körperlos, flach – und eben ganz hinten auf der Zunge unerquicklich bitter. Sogar im Cappuccino bleibt dieser Makel bestehen, lässt das Getränk jegliche Seele und Ausgewogenheit vermissen. Vielleicht fehlt es schlicht an Masse?

Schauen wir lieber, was an der Milchschaum-Front so geht. Aber auch hier wird aus schönem Schein auf dem Papier schnell bereinigter Ernst. Denn erstens kann der verbaute Mikroschalter (sprich: Es gibt nur an oder aus) kein fein dosierbares Ventil ersetzen – und zweitens könnte man, den angegebenen zwei Bar Dampfpower zum Trotz, während des Aufschäumens locker den Abwasch erledigen. Sprich: Es dauert und dauert. Wenigstens wird dadurch Microfoam selbst für Anfänger ein handhabbares Ziel. Komplett eingeschränkt in seiner Funktion ist zu guter Letzt das Teewasser, das für seinen eigentlichen Einsatzzweck schlicht zu kalt aus dem Hahn rinnt. Kein Wunder, muss es sich doch gemeinsam mit dem Brühwasser ein 300-ml-Kesselchen teilen. Schade.

Resümee

Es wäre halt auch zu spektakulär gewesen: ein ernstzunehmender Dualboiler zum Preis eines handelsüblichen Zweikreisers. Leider wird Gastrobacks Topmodell den selbst gesteckten Zielen am Ende vor allem auf sensorischem Gebiet nicht ganz gerecht. So bleibt unterm Strich eine hervorragend ausgestattete, mit vielen tollen Detaillösungen punktende Espressomaschine für den Alltag, die ihren Konkurrentinnen italienischer Herkunft jedoch rein geschmacklich nie so ganz das Wasser reichen kann. Weniger ist eben manchmal doch mehr.

Für die Gastroback Advanced Control spricht:

  • rasch bezugsbereit
  • da beheizter Brühkopf
  • durchdachtes Handling
  • sehr ausführliche Bedienungsanleitung
  • informatives Display
  • Wasserstand einsehbar und beleuchtet
  • üppiges Zubehör
  • sehr leise Pumpe

Steckbrief

» Maße (Breite/Höhe/ Tiefe in cm): 40,5 x 37 x 37,5 cm

» Gewicht: 12 kg

» Leistungsaufnahme: 1.500 W–1.800 W

» Kesselvolumen: 0,3 Liter (Kaffee/Heißwasser)/1 Liter (Dampf)

Features

» Dualboiler mit PID-Steuerung

» Kessel aus Edelstahl

» aktiv beheizte

Brühgruppe:

» programmierbare Preinfusion mit niedrigem Druck

» Dosierelektronik

» Timer

» Reinigungsprogramm

» Energiesparmodus