Röster des Jahres 2019

Der „Röster des Jahres 2019“ ist die Schamong Rösterei aus Köln. Sie überzeugte die Jury über einen längeren Zeitraum mit der Qualität der angebotenen Kaffees, im Kundenservice sowie bei der Nachhaltigkeit im Einkauf der Rohkaffees.

Auch dieses Jahr haben wir sie wieder gekürt: Die beste Rösterei Deutschlands. Neben der Röstqualität sind Sortiment und Rohkaffeeauswahl sowie der Nachhaltigkeitsaspekt bei der Wahl entscheidend, ebenso fallen der Kundenservice bei der Bestellung über den Online Shop, Verpackung und Liefergeschwindigkeit ins Gewicht.

2019 geht der Pokal für den „Röster des Jahres“ nach Köln. In allen Punkten konnte die Ehrenfelder Rösterei Schamong unsere Fachjury voll überzeugen. „Für uns ist die Auszeichnung eine große Ehre!“, sagt Heribert Schamong. „Es gibt heutzutage ja immer mehr Röstereien. Wenn man heute Röster des Jahres wird, ist das schon eine tolle Sache!“

DAMN GOOD COF2E2

Das Besondere an der Rösterei Schamong ist die Kombination aus Tradition und Moderne. Beim Betreten der Röststube in der Venloer Str. 535 fallen diese scheinbaren Gegensätze direkt ins Auge: Zwischen den antiken Kaufmannswaagen auf der Retro-Verkaufstheke steht das digitale Kassensystem, daneben prangt auf einer Kreidetafel der instagramfähige Slogan „DAMN GOOD COF2E2“. An der Rückwand die Kaffeeschütten von damals, im Regal daneben angesagte Filterkaffeezubereiter von Hario oder Aeropress. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Bilder aus der Gründungsszeit und auf der Theke thront die brandaktuelle La Marzocco KB90.

Wo neugegründete Cafés sich alte Kaffeeschütten oder solche, die alt aussehen, zusammenkaufen müssen, kann die Ehrenfelder Rösterei mit echtem Vintage-Interieur punkten. „Es gehört mit dazu, immer authentisch zu bleiben, denn das spüren die Kunden auch. Die alte Theke war schon im allerersten Laden, die ist schon drei Mal mit umgezogen“, erklärt Mirko Schamong. „Eine große Herausforderung ist der Spagat zwischen Tradition, die man eben nicht kaufen kann und gleichzeitig nach Außen hin nicht angestaubt zu wirken“, erzählt der 38-jährige. „Wenn man hört, dass Schamong Kölns älteste Kaffeerösterei ist, denken die Leute eben auch an traditionelles Rösten und traditionelle Kaffeebohnen. Daher ist es für uns immer schön, wenn wir von außen doch als moderne Spezialitätenrösterei wahrgenommen werden!“

Die Kaffeerösterei als Familienbetrieb

Der heutige Schamong-Frontmann, der das Kaffeerösten von seinem Onkel und Vorbesitzer der Rösterei lernt, managet den Familienbetrieb in dritter Generation und fungiert gemeinsam mit Heribert als Geschäftsführer. Er schaffte es, die rote Linie der Familie beizubehalten und die Familientradition mit angesagten Kaffeetrends zu vereinen. Dank Mirko gibt es seit dem Umzug ins aktuelle Lokal verschiedene Espressosorten im Ausschank, zudem Filterkaffees und einen Batch Brew mit der Röstung des Monats. „Mirko ist der entscheidende Mann und hat das letzte Wort, er macht 99% der anfallenden Arbeit, vom Einkauf über Direct-Trade-Kooperationen bis hin zu den Desings“, erklärt Heribert Schamong, den man als eine Art Markenbotschafter verstehen kann.

Er pflegt den Kontakt zu Partnern im Einzelhandel oder zu Eventlocations wie dem Gürzenich und der koelnmesse. Zudem können die beiden Geschäftsführer auf ein starkes Barista und Röster Team zählen. „Bei uns arbeiten nur junge Leute mit Liebe und Leidenschaft fürs Produkt, die ganz entscheidend auch der Respekt von dem Naturprodukt Kaffee haben. Unsere Mitarbeiter haben den schwarzen Gürtel im Kaffeekochen“, erklärt Heribert Schamong schmunzelnd.

Rösten auf Hochtouren

In der Ehrenfelder Röststube wird mittlerweile täglich geröstet, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden. Aus hochwertigem Rohkaffee werden die Espressomischungen Kölner Melange, Helios Blend oder Ehrenfeld Spezial. Dabei hat die alte, robuste Probat-Röstmaschine aus den 1960ern bisher nie ihren Dienst versagt, obwohl sie mittlerweile auf Hochtouren läuft.

Seit jeher wird ausnahmslos sortenrein geröstet, was Schamong einen Pionierstatus beschert und zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal führt: Der leichten Geschmacksvariation des Kaffees. „Jede Ernte ist anders. Wir haben vier Röster, jeder betreibt das Rösthandwerk eine Nuance anders, sieht den Kaffee anders. Dann spielt noch die Witterung eine Rolle: Je nach Temperatur oder Luftfeuchtigkeit schmeckt das Ergebnis jedesmal ein bisschen unterschiedlich. Wir sind gegen den uniformierten Geschmack!“ erklärt Heribert. So wird der Kundschaft nahe gebracht, dass Kaffee ein Naturprodukt ist und keine Charge zu 100Prozent wie die Andere sein kann.

Geschmacklich spannendes

Der Kaffee des Monats ist ebenfalls ein Anreiz für Schamong-Kunden, immer mal wieder etwas Neues zu probieren. „Davon kaufen wir drei bis fünf Säcke, die nach dem Rösten in eine eigens dafür vorgesehene Schütte kommen und auf einer Tafel angepriesen werden. „Wenn er weg ist, ist er weg, dann gibt es was Anderes“, sagt CEO Heribert. „Das ist für uns ein sehr spannendes Feld“, ergänzt Mirko. „Unsere Kaffees des Monats sind in der Regel High-End-Kaffees, abseits vom normalen Sortiment, mit denen wir geschmacklich etwas Spannendes bieten wollen.

Nicht wenige unserer Stammkunden gehen die Reise dann auch mit und holen sich tatsächlich alle vier oder fünf Wochen die neue Röstung ab.“ Tee wird von der Teeplantage Chamong in Darjeeling bezogen. Der bis auf das fehlende S gleiche Name ist kein Zufall: Vor einigen Generationen verschmolz die Familie durch Heirat mit Holländern, von denen die Teeplantage letztendlich gegründet wurde. Der Darjeeling Prativa Chamong ist nach der indischen Schwiegermutter von Heriberts Onkel benannt.
Ein Direktbezug der Rohkaffees wird immer weiter ausgebaut.

Der äthiopische Urwaldkaffee aus dem Sheka Forest wird beispielsweise über einen deutschen Herzchirurgen bezogen, der in dem afrikanischen Dorf aufgewachsen ist, in dem der Kaffee wächst. „Besonders in letzter Zeit stolpern immer mehr Leute in die Rösterei, die uns Rohkaffee verkaufen wollen,“ berichtet Mirko. „Ein Rechtsanwalt aus der Nachbarschaft hat uns kürzlich kubanischen Kaffee angeboten. Dann kommt wieder ein Ingenieur, der Beziehungen auf eine indonesische Plantage hat. Das ist schon krass geworden die letzten Jahre.“ Direct Trade als Begriff ist nach wie vor nicht geschützt. „Viele Röstereien, die Specialty Coffee einkaufen, zu denen sie viele Angaben wie den Farmer, die Varietät oder Wachstumshöhe kennen, nennen dies auch schon direkt gehandelt, obwohl es da nochmal super viele Abstufungen gibt“, erklärt Mirko.

Zertifikate bedeuten nicht gleich Qualität

Mit Umweltschutzzertifikaten, Bioplaketten oder Nachhaltigkeitssiegeln wird bei Schamong nicht geworben. Eine große Herausforderung der mittelständischen Röstbetriebe ist, dass guter, hochwertiger Kaffee auch für Laien als Genussmittel identifizierbar sein muss und auch diese es sich leisten, Spezialitätenkaffee abseits der Supermarktangebote zu kaufen. Wenn auch die Industrieröster mit den Schlagwörtern „bio“, „fair“ und „nachhaltig“ werben, bleibt für den Ottonormaltrinker dann nur noch der Preis als entscheidendes Kriterium übrig. „Viele Konsumenten sehen es gar nicht ein, 32€ statt 7€ für ein Kilogramm Kaffee zu zahlen. Diese ganze Sache ist ja unklar“, wirft Heribert ein.

Seit Josef Schamong 1949 in Kooperation mit dem damals stadtbekannten Kaffeeröster Fritz Lülsdorff eine Kaffeerösterei in Ehrenfeld eröffnet, ist die Röststube innerhalb eines Radius von 300 Metern mehrfach umgezogen. Heute noch kommen Kunden in die Rösterei, die Kaffeebohnen schon als Kind bei Opa Schamong lotweise kauften und jetzt Enkel Mirko in Sachen Kaffee konsultieren. Viele von denen sind sogar offen für die ganz modernen Röstungen und werden vom Schamong-Team mitgenommen, mit trendigen Zubereitungsarten zu experimentieren und holen sich dazu regelmäßig Tipps bei den Röstern und Baristas ein. Da die Familie in Köln so sehr verwurzelt ist, ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, lokale soziale Projekte zu unterstützen. Die Notschlafstelle der Obdachlosen und Drogenabhängigen der katholischen Kirche, die Obdachlosenarbeit der Heilsarmee und die Aidshilfe werden kostenlos mit Kaffee versorgt. „Die gehören zu uns“, erzählt Schamong Senior.

Neue Räumlichkeiten

Nun ist die Familie auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten zum Kauf im Kölner Westen – bisher vergeblich. „Wir setzen uns jetzt seit über einem Jahr mit dem Gedanken auseinander, dass wir weiter wachsen müssen. Hinten haben wir unser Kaffeelager, wir rösten fünf Mal die Woche von morgens bis abends im 20kg Röster. Anlieferung und Lagerung des Rohkaffes werden immer mehr zur Herausforderung. Wir haben noch Potential, wollen aber niemals Industrieröster werden. und wollen genau das, was wir jetzt machen, an einen größeren Standort verlegen, um den jetzigen zu entlasten,“ verdeutlicht Heribert. „Wir werden nie aus diesem Preissegment rausgehen und nie aus dem Spezialitätensektor, nie ein Massenprodukt werden, wir wollen, dass die Marke Schamong erhalten bleibt.“

Zu Website und Shop von Schamong: www.kaffeeroester.de
Schamong im Röster-Guide: roester-guide.de/schamong-roesthandwerk
crema regelmäßig lesen: www.btverlag.de/crema